Der Weg

Huangshan1
Weg im Huangshan-Gebirge, China

"Könnte man den Weg auch nur für einen Augenblick verlassen, so wäre es nicht der Weg." 

 

Dieses Zitat ist mir irgendwann in einer Übersetzung des Daodejing begegnet, ich weiss nicht mehr, in welcher. 

 

Der wesentliche Punkt hier ist nicht, dass wir einen vorgegebenen Weg nicht verlassen könnten, sozusagen auf ihm gefangen sind, sondern dass wir unseren Weg sozusagen mit uns (oder mit dem Konzept, das "uns" ausmacht) mitnehmen.

 

Hier kommt wieder das (spirituelle) Ziel des Yoga ins Spiel: die Vereinigung mit uns selbst. Natürlich ist dies im Grunde ein absurdes Unterfangen. "Ich" als Konzept bin ja immer ich und kann niemals etwas anderes sein. Auch wenn wir uns getrennt von uns selbst fühlen sollten, ist auch dieses Gefühl der Trennung ein Teil von uns, unseres Weges. Und doch fühlt es sich nicht immer so an, oder? Wir planen unsere Zukunft, entwickeln Wünsche, hängen der Vergangenheit nach oder stellen uns vor, wie alles ganz anders sein könnte. Wir möchten unseren Partner ändern weil uns etwas nicht gefällt, oder fürchten uns vor dem Zahnarztbesuch von übermorgen. Yoga, egal ob körperlich oder meditativ, bringt uns vor allem in den aktuellen Moment, zurück zu uns selbst

 

Sozusagen lässt er uns den Weg unter unseren Füssen wieder spüren, nachdem wir eine Weile in unseren Gedanken verloren waren.